AKTUELL

 
Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Collagen
Die Sammlung Meerwein
Dritter Ausschnitt
26. Mai 2019 – 15. Januar 2020
Das Sammeln von Papier, Motiven und Materialien in vielfältigen Alltags- und Zeiterscheinungen, die Neubewertung von Ausschnitten und Fragmenten durch das Wegnehmen oder Hinzufügen, bilden die Grundlagen der Collage. Die experimentelle und offene Herangehensweise – geleitet durch den Zufall und das Unterbewusstsein – wurde als innovatives künstlerisches Prinzip durch die Avantgarde und den Dadaismus in die Kunstgeschichte eingeschrieben. Sie schuf die Basis für die Verknüpfung unterschiedlicher Wirklichkeits- und Zeitebenen durch die folgenden Generationen von Künstlerinnen und Künstlern.

Eine Collage erschafft ihre grenzüberschreitende Kraft aus mindestens zwei Elementen, die aus verschiedenen Ursprungsbereichen stammen und in einem neu geschaffenen Zusammenhang aufeinanderprallen. Durch die Differenz der zusammengefügten Teile entsteht das Potential, bei den Betrachterinnen und Betrachtern einen neuen, darüber hinausweisenden Kontext zu generieren.

Eine Sammlung setzt sich ebenfalls aus heterogenen Elementen zusammen und wird gerade durch deren Eigenheiten zu etwas Einzigartigem. Das Sammeln von Collagen machte Gerhard Meerwein zum Prinzip und folgte über fast vier Jahrzehnte der künstlerischen Technik durch die Geschichte der Kunst bis in die Gegenwart. Über 400 Kunstwerke sowie die parallel zur Sammlung gewachsene Bibliothek wurden 2015 vom Architekten, Innenarchitekten und emeritierten Professor der Hochschule Mainz dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck als großzügiges Geschenk übergeben.

Der Erste Ausschnitt, im Jahr der Schenkung 2015, konzentrierte sich auf die Persönlichkeit des Sammlers und bildete thematische Schwerpunkte der gesammelten Collagen ab. Im Mittelpunkt des Zweiten Ausschnitts 2017 stand die Beziehung Gerhard Meerweins zu einzelnen Künstlerinnen und Künstlern. Hervorgehoben wurden zeitgenössische Positionen aus der räumlichen und persönlichen Nähe des Sammlers und somit die über Jahre fortwährende freundschaftliche wie künstlerische Verbundenheit verdeutlicht.

Schließlich verbindet der Dritte Ausschnitt als perfekte Ergänzung die Sammlung Meerwein mit dem Bestand des Museums aus der Sammlung Arp und der Sammlung zeitgenössischer Kunst. Gerade diese künstlerisch sowie geschichtlich kombinierten Schnittmengen bilden im Aufeinandertreffen das ab, was die Faszination der Collage ausmacht.https://arpmuseum.org/ausstellungen/wechselausstellungen/vorschau/collagen-die-sammlung-meerwein.html
HAUS OPHERDICKE, KREIS UNNA
Die Neue Frau
Künstlerinnen als Avantgarde
17. März – 18. August 2019

Anlässlich des Jahres der Demokratie 2019 des Kreises Unna rückt die thematische Gruppenausstellung die Schaffensphase von Künstlerinnen in den Vordergrund, die um das Jahr 1919 tätig waren.

Gleichberechtigung ist nicht weniger als die grundlegende Anforderung der Menschenwürde. Verwurzelt in Humanismus und Aufklärung war es die Französische Revolution, die Freiheit und Demokratie als Staatsaufgabe formulierte, allerdings nur für den (männlichen) Bürger. Als patriarchal geprägter Gesellschaftsansatz waren Frauen seitdem noch nicht gleichwertig einbezogen. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts änderte sich das in Europa. Die Gleichberechtigung der Frau im Staat manifestierte sich in Deutschland erstmals mit der Einführung des Frauenwahlrechts 1919. Die formale Anerkennung der Frau als Bürgerin eines Staates war jedoch auch ein zeitliches Phänomen, das parallel mit der Emanzipation der Frau als Künstlerin einherging.

Es war nichts mehr so, wie es vorher war – der große Krieg war verloren, das allmächtige Kaiserreich besiegt und die Monarchie am Ende – die Bevölkerung traumatisiert und verarmt. Zu diesem Zeitpunkt begründete die Weimarer Reichsverfassung mit ihren demokratischen Grundsätzen, inklusive eines Frauenwahlrechts, eine neue Gesellschaftsform. Der Typus der ‚Neuen Frau‘ entstand und entwickelte sich.
Das Jahr 1919 bedeutete die potentielle Gleichberechtigung, die Freiheit sich an den offiziellen Akademien als Studentinnen ausbilden zu lassen und als Professorinnen zu lehren sowie Zugang zum Kunstmarkt, Ausstellungsmöglichkeiten und Museen zu bekommen. Damit professionalisierte sich der Typus der ‚Künstlerin‘ und wurde zu einer Berufsbezeichnung.Die Gruppenausstellung zeigt Malereien, Grafiken und Skulpturen von bekannten und unbekannteren Künstlerinnen. Die Kunstwerke, die in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entstanden, bilden den Kern der Ausstellung und verdeutlichen, wie die Künstlerinnen gearbeitet und wie sich ihre Arbeitsweise und ihr Ansehen verändert haben.

Auch heute, 100 Jahre später, ist das Thema der Frau als Künstlerin hochaktuell. Die zeitgenössische Malerin Bettina Marx zeigt Werke, interveniert in die Ausstellung und geht mit ihren Installationen räumlich auf die historischen Positionen ein. Bewusst wurde der Vielstimmigkeit der historischen Künstlerinnen der Ausstellung eine zeitgenössische, selbstbewusste Position hinzugefügt, die in vergleichbarem medialen Rahmen arbeitet. Zum einen nutzt Bettina Marx Papier, Blätter oder großformatige Papierbahnen, auf denen sie zeichnet, aquarelliert und malt. Damit verbindet sie sich mit einem der bevorzugten Materialien der Generation um 1919 – den Papierarbeiten. Zum anderen ist es das Holz im erweiterten Sinne, mit dem sie druckt. Historisch sind es die Druckplatten, die Holzschnitte, die in der Ausstellung präsentiert werden – Bettina Marx nutzt Baumstämme und Äste für ihre raumgreifenden Installationen, einerseits das gewachsene Holz als Druckstock oder andererseits die bemalte Rinde als plastische Kunstwerke. Mit der Zurschaustellung der Fundstücke - kombiniert, arrangiert oder bearbeitet - schlägt die Künstlerin den Bogen zur Bildhauerei, den ausgestellten Bronzefiguren der Künstlerinnen und verbindet die Werke somit in Wechselwirkung und Austausch zueinander.

Dank der Sammlung Frank Brabant, Wiesbaden, der Sammlung  Lehmann, dem Märkisches Museum Witten, der Gerhard-Marcks- Stiftung, Bremen, der Galerie Ludorff, Düsseldorf und der Galerie Ostendorff, Münster, dem Gustav-Lübcke-Museum, Hamm, den Museen der Stadt Lüdenscheid, Sammlung der Städtischen Galerie sowie Leihgaben aus Privatbesitz konnten wichtige Leihgaben für diese Ausstellung zusammengestellt werden.

Tina Bauer-Pezellen
Lilja Busse
Maria Caspar-Filser
Ida Gerhardi
Hannah Höch
Elisabeth Jaspersen
Grethe Jürgens
Käthe Kollwitz
Hanna Koschinsky
Elfriede Lohse-Wächtler
Jeanne Mammen
Hedwig Marquardt
	Bettina Marx
Paula Modersohn-Becker
Gabriele Münter
Hanna Nagel
Gerta Overbeck-Schenk
Lotte Reiniger
Emy Roeder
Lieselotte Röwer-Sangerhausen
Elisabeth Schmitz
Martel Schwichtenberg
Renée Sintenis
Alice Sommerhttps://www.kreis-unna.de/haus-opherdicke
SCHLOSS CAPPENBERG STIFTSKIRCHE, KREIS UNNA
JOACHIM KARSCH
Beseelte Bronzen
 12. Mai bis 15. Dezember 2019 

Der in Schlesien geborene Bildhauer und Grafiker Joachim Karsch (1897 – 1945) besuchte bereits mit 14 Jahren die Breslauer Kunstgewerbeschule. Volljährig setzte er seine Ausbildung an der Königlichen Akademischen Hochschule für Bildende Künste in Berlin fort, die er jedoch enttäuscht abbrach.
Seinen radikalen Bruch mit dem Expressionismus bekräftigte er durch die Vernichtung seiner früheren Plastiken. Mit Gerhard Marcks gehörte er zu jenen Bildhauern, die mit der Körperlichkeit ihrer Bildwerke nach idealisierender und symbolhafter Darstellung strebten.
In seinen Kopf- und vor allem Ganzkörperplastiken, die als Einzelfiguren oder in Gruppen dargestellt sind, sucht der Künstler nach einem beseelten Ausdruck. Die Sichtbarmachung von Gefühlslagen durch seine geschickte plastische Modellierung von Mimik, Gestik und Haltung, zeichnen ihn als außergewöhnlichen Bildhauer der Moderne aus.
1938 wurde die im Essener Folkwang-Museum ausgestellte Plastik Lesendes Paar als „entartete Kunst“ beschlagnahmt. Kurz vor Kriegsende schied er aus Furcht vor der Deportation in die Sowjetunion und wegen des Vandalismus sowjetischer Soldaten an seinem Spätwerk aus dem Leben.
Erhalten sind eine Reihe überwiegend erzählerisch angelegter, figürlicher Bronze-Plastiken, die größtenteils durch seinen Sohn Florian Karsch versammelt wurden.
Die Ausstellung in der Stiftskirche von Schloss Cappenberg entstand in Zusammenarbeit mit der Galerie Nierendorf, Berlin.https://www.kreis-unna.de/schloss-cappenberg